Man stelle sich vor, die Justizministerin würde kurz vor Prozessbeginn fordern, der oder die Beschuldigte möge eine harte Strafe bekommen - und selbiges sei ihr auch schon zugesichert worden. Ein Aufschrei der Empörung würde - zu Recht - durch das Land wogen, weil damit auch kein faires Verfahren mehr möglich wäre. Nun, als der LASK vergangene Woche eingestanden hat, verbotenerweise vier Mal mit der ganzen Mannschaft trainiert zu haben, ging nicht nur eine Welle der Empörung durch die nationalen wie internationalen Gazetten, sondern es äußerten sich auch zwei Schlüsselfiguren zu der Causa. ÖFB-Präsident Leo Windtner und Gesundheitsminister Rudolf Anschober forderten eine "harte Strafe" respektive "strenges Vorgehen" - Letzterer meinte zudem, ihm sei dies "auch schon zugesichert worden".

Diese Aussagen sind insofern ein Skandal für sich, weil sich damit Österreichs oberster Fußballfunktionär und Österreichs oberster Corona-Politiker in ein laufendes Verfahren einer unabhängigen Gerichtsbarkeit einmischen - und ihnen das logischerweise nicht zusteht. Nach allen Kriterien der internationalen Menschenrechtsjudikatur ist damit ein faires Verfahren für den LASK nicht gegeben. Bleibt zu hoffen, dass sich die honorigen Herren des Senat 1 der Bundesliga von derlei Äußerungen unbeeindruckt zeigen und nicht wie gefordert eine harte Strafe aussprechen, sondern schlicht ein gerechtes Urteil fällen. Denn auch, wenn das Vorgehen des Tabellenführers unfair, unsportlich und dumm war, die Faktenlage könnte auch einen milden Ausgang vermuten lassen (statt eines in den Wettbewerb eingreifenden Punkteabzugs): Die Geständigkeit des LASK, die Unbescholtenheit und der doch geringe faktische Schaden liegen auf der anderen Waagschale der Sport-Justitia.