Messenger-Nachricht einer Facebook-Freundin: "Zwei Fragen - wann treffen wir uns? Wo stehst du in dem Corona-Wahnsinn?"

"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.
"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.

Ja, die Welt hat eine neue Gretchenfrage - nicht das Treffen, natürlich, sondern: "Wo stehst du in dem Corona-Wahnsinn?" Corona als Glaubensfrage der Gegenwart.

Auf die Antwort folgte eine Flut von Links, wo man "korrekte Darstellungen" findet: der glorreiche schwedische Weg, Covid-19 eine mittlere Grippe, Corona ein chinesischer Biokampfstoff, alle Maßnahmen eine Verschwörung, um in letzter Konsequenz eine Zwangsimpfung einzuführen, mal abwarten, wer den ersten Impfstoff entwickelt haben wird. Wetten, es ist Israel . . .

Was, wenn man das einmal halbwegs ordnet, so viel heißt, wie, dass China mithilfe eines stärkeren Schnupfens die Welt unterwerfen will; oder China will Israel helfen, Pharma-Großmacht Nummer eins zu werden. Oder ist es doch eine israelische Weltverschwörung zur Zwangsimpfung gegen einen chinesischen Schnupfen?

Dass sich die Corona-Krise zur großen Zeit der Verschwörungstheorien entwickelt hat, pfeifen mittlerweile die Spatzen von den Dächern. Erschreckend ist aber, wie viele skeptische, hochgebildete Menschen Schritt für Schritt dem Schwachsinn nachgeben.

In Wahrheit stellt sich die neue Gretchenfrage ganz anders: Glaubt man lieber Virologen und Epidemiologen oder den Aluhutlern der YouTube-Universität?

Das Treffen ist dann von keinem Interesse mehr gewesen.