Wie groß ist eigentlich ein Baby-Dürer-Hase? Am Mittwoch gegen 15 Uhr hätte nicht einmal er zwischen die Besucher der Albertina Modern gepasst. Zumindest nicht im Raum mit den Phantastischen Realisten, und vor den Bildern der Lassnig auch nicht. Dazu verstanden manche Besucher ihre Maske als nasenfreie Maulwindel oder gar als pro forma etwas nach oben gezogene Kinnbinde. Die Saalordnerinnen und -ordner, obwohl berechtigt, Anweisungen zu geben, trauen sich offenbar (in menschlich verständlicher Konfliktscheue) nicht, die Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen zu verlangen. Doch: Einer hat es gewagt und die bei der Kassa in Baby-Ameisen-Abstand Harrenden zu einer ausgewachsenen Anaconda-Warteschlange umgebaut. Gut gemacht. Niemand hat sich beschwert. Geht also.

"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.
"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.

Aber es erheben sich Fragen, die nicht allein für die Albertina Modern gelten: In Ausstellungshäusern und Museen sind die Säle ungleich groß. Was bringt die Festlegung von Gesamtbesucherzahlen, wenn sich die Hälfte im selben relativ kleinen Raum drängt? Was die Festlegung von Schutzabständen, wenn niemand auf deren Einhaltung drängt? Was die Maskenpflicht, wenn diese nicht vorschriftsmäßig getragen werden? Natürlich soll man die Sinnhaftigkeit der Maßnahmen immer wieder evaluieren. Aber es wäre schade, wenn der so ersehnte Kultur-Neustart wieder gebremst werden müsste, weil sich niemand um die Einhaltung der immer noch notwendigen Sicherheitsmaßnahmen kümmert.