Diesen Sommer hätte sie kommen sollen. Oder vielleicht wahrscheinlich eh nicht. Das weiß man bei Lauryn Hill nie so genau. Aber man muss einfach jede Chance nutzen, weil: Es ist Lauryn Hill. Und die entscheidet sich selten, ihre Zurückgezogenheit aufzugeben.

Aber dann kam der Ausnahmezustand, und dieses Konzert wurde wie so viele abgesagt. Am Freitag haben Popveranstalter ihrem Frust freien Lauf gelassen. Während in anderen Kulturbereichen langsam wieder ein Betrieb aufgenommen werden kann, sieht sich die U-Musik vernachlässigt. Nova-Rock-Chef Ewald Tatar beklagte: "Derzeit sind Lösungen offenbar für die Regierung, wie es mit uns weitergehen soll nach dem 31. August, nicht vorhanden. Die sogenannte Hochkultur und ihre Lobby hatte mal definitiv Vorrang, wie man erneut sieht."

Das kann man so interpretieren. Oder man bedenkt, dass die Hochkultur meist doch mit weniger Kundschaft operiert als ein Festival, dem die Erlaubnis, 1000 Menschen unterzubringen, zugegeben wenig bringt. Und das daher ein größeres Gesundheitsrisiko birgt. Die Wartezeit könnte man nutzen, kreative Ideen zu finden, wie man mit den derzeitigen Möglichkeiten arbeitet. Sitzplätze statt Stehplätze etwa?

Die bittere Wahrheit ist: Gerade das Popgeschäft lebt von der Globalisierung, die gerade trefflich zusammengestutzt wurde. Eine Lauryn Hill kommt nämlich nicht, nur weil die österreichische Bundesregierung mehr Lockerungen erlaubt. Und andere internationale Konzertstars ebenso nicht.