Auf der ganzen Welt gehen sie jetzt auf die Straße. Für George Floyd, der nach minutenlangem Todeskampf in Minnesota in Polizeigewahrsam verstorben ist. Das Video dazu ist um die Welt gegangen und hat Empörung ausgelöst - so auch in Österreich, wo in Wien 50.000 Menschen auf die Straße gegangen sind. Eine beachtliche Masse, die gerade noch so im Ernst-Happel-Stadion Platz finden würde, aber ohne Ein-Meter-Abstand wohlgemerkt.

Womit wir auch schon beim Kern des Problems wären: Denn auf den Abstand wurde bei der Floyd- Demo ebenso wenig geachtet wie aufs Maskentragen - das freilich nicht mehr vorgeschrieben ist, aber angesichts der kuscheligen Atmosphäre angebracht gewesen wäre. Bei jenen, die das freiwillig taten, hing der Mundschutz - mit null Effekt - am Kinn. Indessen wurden Parolen gerufen, an die Gefahren der Tröpfcheninfektion dachte aber offenbar niemand.

Dabei ist das Risiko, das hier leider eingegangen worden ist, noch nicht alles. Es ist auch ein Schlag ins Gesicht all jener, die bis zum heutigen Tag im Supermarkt Maske tragen müssen oder die ihren Nachwuchs nicht in die Musikschnupperstunde begleiten dürfen - "wegen Corona". Von den Kindergärten, wo die Kleinen auf Abstand getrimmt werden und Zähneputzen, Geburtstage und Abschlussfest abgeschafft sind, gar nicht erst zu reden.

Bedanken werden sich auch all jene Fans, die ihre Lieblingsklubs nur daheim vor der Mattscheibe anfeuern dürfen, weil bereits ein einziger Anhänger im Stadion als unabwägbares Risiko angesehen wird. (Im Fall des Linzer ASK genügte ja schon ein harmloses Training mit ein paar Kickern, um ein Exempel zu statuieren.)

Kann es also sein, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird? Es ist gut und wichtig, dass man gegen Rassismus demonstriert, aber dann mit Hirn. Vielleicht so, wie es Colin Kaepernick gemacht hat: Er beugte nur schweigend das Knie. Das ist nicht nur stark, sondern auch vor allem sicherer.