Der US-Streaming-Dienst HBO Max hat den Film "Vom Winde verweht"aus seinem Angebot genommen. Das hängt mit den Anti-Rassismus-Protesten zusammen. Der Streifen aus dem Jahr 1939 zeige, so HBO, rassistische Vorurteile. Später soll der Film wieder angeboten werden - eingebettet in eine Diskussion über den historischen Kontext.

"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.
"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.

Das ist bemerkenswert, denn mit einer anderen Form des Rassismus, dem Antisemitismus, haben die USA kein Problem. Bei Amazon sind NS-Filme wie "Die Rothschilds" und "Der ewige Jude" im Verkauf für die USA zu bekommen. Nur "Jud Süß" nicht - der ist ausverkauft.

Im Fall von "Gone with the Wind" stellt sich die Frage, ob ein historischer Kommentar genügt, um den Film zu reinigen. Konsequent weitergedacht, würde das bedeuten, auch Orson Welles’ geniale "Othello"-Verfilmung zu sperren oder unter Kommentar zu stellen. Dass historische Einbettungen einen Rassisten von seinen idiotischen Vorurteilen nicht abbringen, und dass umgekehrt Filme wie "Vom Winde verweht" oder "Othello" niemanden zum Rassisten machen, ist freilich eine Binsenweisheit. Womit der Fall HBO Max zwischen der Scylla Fremdschämen und der Charybdis Überreaktion dahindümpelt. Bei Amazon ist die DVD jedenfalls zum Bestseller mutiert. Verbote waren schon immer die beste Werbung.

Amazon Prime übrigens hat das Endspiel des Orson-Welles-"Othello" eingeläutet: Er ist, trotz einer FSK-Freigabe mit 16 Jahren, für Unter-18-Jährige gesperrt.