Wie die Salzburger hätten sie’s alle machen sollen: abwarten, bis dem Virus der Heißhunger vergangen ist. Bis man weiß, wie man es austrickst, ohne auf Veranstaltungen verzichten zu müssen. Hätte doch funktioniert, Freiluft zumal, in Mörbisch, Bregenz, St. Margarethen, Klosterneuburg. Jetzt stehen sie alle da als Zauderer - und die Salzburger Festspiele samt einiger anderer Sommerspiele als Taktiker. Was jetzt, etwa von Bregenz, nachgeliefert wird, schaut nach Aufzeigen aus, nicht nach Wortmeldung. Nur den Nervenstarken gehört der Kultursommer.

"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.
"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.

Bloß: Ist es wirklich so?

Um das beurteilen zu können, müsste man wissen, welche Versicherungen und welche Verträge die Veranstalter abgeschlossen haben, und auch, wie ihre Kosten-Nutzen-Rechnung aussieht. Für Salzburg wäre eine Totalabsage ausgerechnet im Jubiläumsjahr ein Finanz- und Prestigedebakel geworden. Ergo tat man gut daran, bis zur letzten Sekunde zuzuwarten. Ein Vabanquespiel war es freilich. Veranstalter haben Künstlern und Publikum gegenüber eine Verantwortung. Man kann nicht auf "vielleicht - vielleicht auch nicht" Engagements abschließen und tausende Karten verkaufen. Kleine Theaterfestivals wie die Wachau-Festspiele können da flexibler agieren, und Salzburg hat die weltbeste Infrastruktur der Publikumsbetreuung hinter sich. So seltsam es also klingt: Diesmal gilt nicht der Satz: Wie man’s macht, macht man’s falsch. Das Gegenteil stimmt: Wie man’s gemacht hat, war’s richtig.