Am Sonntag feiert Michel Platini seinen 65. Geburtstag. Und damit ein Mann, der sämtliche Höhen und Tiefen des Fußballs kennengelernt hat - sportlich genauso wie institutionell. Nur in Erinnerung geblieben ist er der Nachwelt bis heute als derjenige, der mit Fifa-Boss Sepp Blatter einst gemeinsame Sache gemacht, zwei Millionen Dollar für nichts bekommen und Katar die WM zugeschanzt haben soll. Platini, der Idealtypus eines korrupten Fußballfunktionärs?

Nun, danach sieht es tatsächlich aus, was auch der Grund dafür ist, warum die Kommentare zu dessen halbrunden Geburtstag dieser Tage wohl nur verhalten enthusiastisch ausfallen werden. Dabei ist diese negative Haltung nicht nur dem lockeren Umgang des Franzosen mit Macht und Geld geschuldet, sondern auch seiner Persönlichkeit, die sich zum Beispiel darin äußert, immer frei heraus zu sagen, was er sich denkt, ohne sich dabei darum zu scheren, ob das jetzt besonders klug ist oder nicht - was gerade bei (eh schon als arrogant geltenden) Franzosen nicht gut ankommt. Was dafür gut angekommen ist - und auch auf das sollte mit Blick auf Platinis Geburtstag nicht vergessen werden -, war dessen Talent und Phantasie als aktiver Fußballer. Ältere Generationen werden sich gewiss noch an ihn als Spielmacher bei Juventus Turin oder in der französischen Nationalmannschaft erinnern, wo es ihm regelmäßig gelang, selbst für komplizierte Spielsituationen kreative Lösungen zu finden. Belohnt wurde Platini mit einer Reihe von Auszeichnungen und Titeln (Fußballer und Sportler des Jahres, diverse Europacup- und Meister-Titel, Europameister) und dem begehrten Teamchefposten in der Équipe Tricolore. Zählt das alles etwa nichts?

Nun, das tut es gewiss. Allerdings fiele die Beurteilung von Platinis Lebenswerk vielen leichter, wenn dieser zu seinen jüngsten Fehlern als Funktionär einfach stehen würde. Solange aber die Ausreden und Konflikte weitergehen, wird sich an dem Bild wenig ändern.