Die Rapid-Fans sorgen auch dann für Ärger, wenn sie eigentlich gar nicht da sind: Rund drei Stunden vor dem Bundesliga-Spiel gegen Hartberg war am Sonntag im Block-West des Allianz-Stadions ein völlig jenseitiges, sexistisches und frauenverachtendes Spruchband angebracht worden, dessen Inhalt an dieser Stelle besser nicht wiedergegeben wird. Und wie reagierten die Rapid-Bosse? Zunächst einmal gar nicht; dann - auf Reporterfragen - mit Ausflüchten, wonach das nicht im Sinne des Klubs, aber "strafrechtlich nicht verfolgbar" wäre (Sportdirektor Zoran Barisic), und daher wohl so bleiben könne. Schließlich erbarmte sich kurz vor Anpfiff doch noch jemand und entfernte den völlig gehirnamputierten Spruch.

Auch, wenn die Grün-Weißen darin keinen Skandal sehen wollen, ein Skandal wurde es erst durch die Rechtfertigungsversuche der Funktionäre. Sogar nach dem Match faselte Wirtschafts-Geschäftsführer (und Ex-SPÖ-Politiker) Christoph Peschek etwas von "Demokratie und Meinungsfreiheit" und dass man darob solche Transparente zulasse. Einzig Trainer Didi Kühbauer hatte den Mut, klar Kante zu zeigen: "Dieses Transparent hat definitiv nichts verloren in einem Fußballstadion."

Jedenfalls reiht sich dieser Fall nahtlos ein in jene Serie, die man einzig als Kapitulation vor der (radikalen) Fanszene bezeichnen kann: ein gestürmter VIP-Klub hier, eine abgenommene Kapitänsbinde da - nicht zu vergessen der "von der Autobahn geholte Mannschaftsbus". Auch wenn der Rekordmeister in der Corona-Krise die Gunst der Fans zum Überleben braucht - rund 80 Prozent der Abonnenten sollen ja auf Rückforderungen verzichten -, das Aufgeben des Anstandes ist der Anfang vom Ende eines jeden Klubs.