Darüber steht ein Hinweis auf eine Führung durch die Privatsammlung des Malers Arik Brauer, darunter eine auf eine Tour durch die Wiener Innenstadt. Zwischen diesen beiden Inseraten prangt eines auf die Führung "Hitler in Wien". Ort des Geschehens: die Website des "Falter". Jetzt gehen die Wogen hoch: Das linke Magazin lässt Werbung für eine Hitler-Führung zu. Skandal geschrien!

"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.
"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.

Aber ist es wirklich ein Skandal?

Man braucht den "Falter" nicht zu mögen und kann seine konsequente Linksschreibe überraschungsfrei finden - dennoch: Ein Hitler-Gate der Stadtzeitung ist das nicht.

Der Anbieter der Tour nämlich ist völlig seriös. Es geht um Geschichte, nicht um einen ultrarechten Marsch auf den Heldenplatz. Zugegeben: Die Formulierung der Werbung in der Print-Ausgabe ist unglücklich: "Adolf Hitler scheitert als junger Mann in Wien, um später triumphal zurückzukommen." Doch "triumphal" kann man auch als wertungsfreie Beschreibung dessen lesen, was sich am 15. März 1938 vor dem Balkon der Hofburg zugetragen hat.

Dass man freilich eine Wien-Erkundung auf Hitlers Spuren anbietet, ist ein kurioses Spiel mit dem Nervenkitzel. Als ob Wien mit seiner kaiserlichen Vergangenheit und demokratischen Gegenwart, mit seinen tausenden Künstlern, Wissenschaftern und Philosophen auf den verbrecherischen Emporkömmling aus Braunau angewiesen wäre. Augenmaß ist gerade seriösen Veranstaltern zumutbar. Einem Hitler könnte man schließlich auch auf einem Stadtspaziergang auf den Spuren etwa von Viktor Frankl begegnen.