Mit der Einsicht kann es manchmal etwas länger dauern. Am 14. Juni hatte Dominic Thiem das Tennis-Show-Event in Belgrad gewonnen und dabei auf so ziemlich alles, was man punkto Corona-Verbreitung tun respektive vermeiden sollte gepfiffen - Party mit potenziellen Superspreadern à la Ischgl inklusive. Dass es gut eineinhalb Wochen dauerte, bis sich das rot-weiß-rote Ass für diesen gefährlichen Leichtsinn entschuldigte (wiewohl nach serbischen Regeln angeblich erlaubt), ist kein Ruhmesblatt für Thiem und eher der Aufregung um die hernach folgenden, zahlreichen positiven Tests geschuldet (Veranstalter Novak Djokovic inklusive). Hätte es die Entschuldigung auch so gegeben? Ganz bestimmt nicht!

Ähnlich verhält es sich beim SK Rapid, der einen völlig jenseitigen, sexistischen Spruch seiner radikalen Fans erst dann bedauerte, als sich die öffentliche Empörung enorm aufgeschaukelt hatte. Stunden zuvor hatte man es weder gewagt, den Banner umgehend aus dem eigenen Stadion zu entfernen, noch den Inhalt klar zu verurteilen. Auch beim LASK dauerte die Schrecksekunde einen guten Tag, bis man das verbotene, weil verfrühte Mannschaftstraining eingestand und sich für den "Blödsinn" entschuldigte. Und zwar ausnahmsweise persönlich live im TV, während bei den anderen Beispielen die PR-geglätteten Texte bloß ins Internet gestellt wurden.

Wie auch immer, Entschuldigung muss heutzutage sein - ob ehrlich gemeint oder nur, um dem öffentlichen Druck genüge zu tun, wird man ohnehin nicht erfahren. Öffentlich sorry zu sagen stünde aber auch manchen Politikern nicht schlecht an, wenn ihnen etwa jemand "am Oasch" geht, wie Stephanie Krisper (Neos) am Donnerstag im U-Ausschuss. Aber vielleicht währt auch hier die Schrecksekunde einfach noch an.