Dass Facebook zu einem massiven politischen Problem geworden ist, ist nicht neu. Die verstärkende Wirkung der Echo-Kammer der eigenen Vorurteile ist evident. Und die Gefahr, die von der Verbreitung von haarsträubenden Fake-News ausgeht, ist nicht erst seit der Corona-Krise offensichtlich. Es ist erstaunlich, dass es so lange gedauert hat, bis sich eine maßgebliche Öffentlichkeit mit einem Werbeboykott gegen den Konzern gewendet hat. Und diese hat weiterhin kein entschiedenes Vorgehen des US-Konzerns gegen Hass und Hetze im Internet geortet und will ihre Kampagne deshalb fortsetzen. Das wurde nach einer Online-Sitzung mit Facebook-Chef Mark Zuckerberg angekündigt. Bei dem Treffen habe die Konzernspitze die Aktivisten nicht davon überzeugen können, "dass sie zu Taten schreiten", sagte Jessica Gonzalez von der Gruppe Free Press (Freie Presse), einer der Mitgliedsorganisationen der Kampagne. Der Boykott solle ausgeweitet werden.
Das Problem ist allerdings ein anderes. Zwar sind dem Boykottaufruf zahlreiche Unternehmen gefolgt. Sie verzichten auf das Schalten von Werbeanzeigen in den Online-Netzwerken von Facebook. Aber, was gerne vergessen wird: Werbung auf Facebook ist ja keine Goodwill-Aktion dieser Unternehmen. Denn Werbung auf Facebook wird geschaltet, weil sie wirkt.

Insofern ist die Boykott-Strategie wohl eine Maßnahme mit Ablaufdatum. Wie es im Herbst (und damit im entscheidenden US-Wahlkampf) aussieht, wird man erst sehen.