Die englische Premier League mag durch die Corona-Krise wie alle anderen Ligen Einbußen hingenommen haben, finanzielle Sorgen muss man sich um sie aber nicht machen. Die jüngste Football-Money-League-Studie der Wirtschaftsberatungsagentur Deloitte weist ihren Umsatz aus der Saison 2018/19 mit 5,85 Milliarden Euro auf einem neuen Rekordwert auf - mit gewaltigem Vorsprung auf die zweitplatzierte spanische Liga (3,375 Milliarden) und erst recht auf kleinere und mittlere wie die österreichische (256 Millionen).

Da wäre es gerade in Zeiten der Krise wenig überraschend, wenn sich andere ihr gerne anschließen würden, so sie die Möglichkeit haben. Angesichts dessen überrascht es etwas, dass sich - wie der "Guardian" nun berichtet - die Mehrheit der zwölf Klubs der Women’s Super League, der ersten Frauenliga, gegen eine Übernahme durch den großen Bruder ausgesprochen hat. Die Verhandlungen der Premier League mit dem englischen Verband FA, unter dessen Dach ähnlich wie in Österreich der Ball bei den Frauen rollt, laufen schon länger; eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen.

Doch schon die aktuelle Zurückhaltung ist ein starkes Signal: Anstatt sich auf die Premier League und das dort angesiedelte Geld zu verlassen, will man lieber eine unabhängige Führung, die sich rein auf die Interessen des Frauenfußballs konzentrieren kann. Entwicklungsmöglichkeiten statt Kommerz, Möglichkeiten der dualen Ausbildung junger Spielerinnen und Trainerinnen sollen im Fokus stehen, nicht ein möglicher Geldregen. Zwar ist ungewiss, ob das Bestreben nach Eigenständigkeit, losgelöst von Verband und der Männerliga, von Erfolg gekrönt sein muss - in den USA beispielsweise sind frühere Versuche oftmals gescheitert.

Dennoch kann es nur positiv sein, wenn es im Match Nachhaltigkeit gegen Kommerz zumindest zur Pause 1:0 steht.

In dieser Hinsicht könnten sich viele Männerligen etwas von Englands Fußballerinnen abschauen.