Landeshauptmann Hans-Peter Doskozil ist enttäuscht. Nie hätte er gedacht, dass die gefeierte Mattersburger Commerzialbank einmal aufgrund betrügerischer Machenschaften in Turbulenzen geraten würde - und mit ihr der SV Mattersburg noch dazu. Dass er den Verein nicht retten will und kann, ist nachvollziehbar, zumal eine solche Rettung nicht nur den übrigen Klubs, sondern vor allem auch den geschädigten Großkunden der Bank sauer aufstoßen würde. Schließlich sind sie alle Opfer desselben Systems geworden, warum sollte es für einen Fußballverein staatliche Extrawürste geben?

Der Fall hat gezeigt, dass wie in Politik und Sport auch im Bankbereich vieles auf Vertrauen aufgebaut ist. Ex-Vorstand und Ex-Präsident Martin Pucher hatte nur deshalb über Jahre hinweg Kunden, Sponsoren, Fans und Politiker täuschen können, weil er es offenbar verstanden hat, aus dem Vertrauen, dass man in ihn und seine Fähigkeiten gesetzt hat, buchstäblich Kapital zu schlagen - nämlich Kapital, das real gar nicht da war. Sein Auftreten in Banklobby und Kabine sowie seine locker sitzende Geldbörse reichten als Blendwerk aus.

Unverständlich bleibt freilich, wie Pucher jene Damen und Herren, die das Bankgeschäft studiert haben und mit der Prüfung der Bücher beauftragt waren, ebenso täuschen konnte. Gewöhnlich sind die Prüfer von Nationalbank und Finanzmarktaufsicht nicht zimperlich, wenn es darum geht, insbesondere kleineren Banken auf den Zahn zu fühlen.

Sie und die Wirtschaftsprüfer werden also erklären müssen, wie es dazu kommen konnte, dass die Mattersburg-Kicker demnächst ohne Job dastehen werden. Sie, die zum Toreschießen angestellt wurden, können am wenigsten dafür. Für sie rächt es sich aber jetzt, dass die Prüfer den Elfer namens Commerzialbank nicht verwertet haben.