Das Ohrwasch’l ist Mike Tyson geblieben. Nach dem Kampf gegen Evander Holyfield 1997, als er beschlossen hatte, dass jenes seines Gegners eben nicht vollständig bleiben sollte, war nichts mehr, wie es einmal war - und Tyson, vorher schon nicht eben für seine Zartbesaitetheit bekannt, endgültig für viele nur noch der brutale Raufbold. Nach seiner Box-Karriere ging es dann erst recht bergab: Tyson war mehr im Gefängnis als zuvor im Ring, ehe er sich geläutert gab und quasi symbolisch unter die Brieftaubenzüchter ging. Zudem trat er im Fernsehen bei Boxkämpfen als Experte auf.

Weil jetzt aber gerade weniger davon stattfinden, er das Rampenlicht und vielleicht auch ein bisserl Kleingeld vermisst, will er selbst noch einmal für Schlag-Zeilen sorgen und am 12. September in einem Schaukampf gegen Ray Jones antreten. Oder wie er sagt: "Ganz einfach: Weil ich es kann. Nur, weil man 54 ist, heißt das nicht, dass man eine neue Karriere starten muss und das Leben komplett vorbei ist."

Nun ist es freilich nicht so, dass man überzeugt davon sein muss, dass der Kampf als einer der besten in die Geschichte eingehen wird. Vielmehr geht es um die Show - und ums Geld. Die Macher des Spektakels wittern schon jetzt angesichts des Hypes, den Tysons Ankündigungen ausgelöst haben, die große Kassa. Nicht nur der Kampf soll im TV Millionen einspielen, geplant ist auch eine zehnteilige Dokumentationsserie rund um die beiden Ex-Champions. "Ihr Comeback ist eine schmierige, Geld abgreifende Zirkusvorstellung", ätzt Box-Experte Nick Parkinson vom US-Sportsender ESPN.

Andererseits: Er muss ja nicht zuschauen. Wenn Tyson und Jones kämpfen wollen, sich ein Ausrichter findet - und das Publikum nach Spektakel verlangt, spricht nichts gegen eine solche Austragung. Immerhin erfreuen sich auch im Fußball Legendenturniere großer Beliebtheit. Nur sollten halt diesmal alle Körperteile dranbleiben.