Forscher aus Japan und England schlagen Alarm: Musizier-Unterricht sei bisher zu Unrecht über den grünen Klee gelobt worden. Die Behauptung, ein Kind werde klüger durch Klimpern und Fideln, sei Stuss. Dies fördere nur die Fähigkeit zu musizieren.

"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Christoph Irrgeher.
"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Christoph Irrgeher.

Es lohnt freilich, solche Studien selbst unter die Lupe zu nehmen. Worin besteht ihr Zweck? In der Effizienz-Steigerung der Kindeserziehung. Danach gieren heute alle, und darum dürfen die Autoren mit Interesse rechnen. Eltern, wollt ihr im immer härteren Kampf um den Titel "beste Erzieher der Welt" siegen? Dann pfeift auf Flöte und Flohwalzer!

Solche Studien vergessen allerdings eines. Dass Nützlichkeit nämlich nicht alles ist. Und dass reines Zweckdenken in die Wüste des Nihilismus und in die Entmenschlichung führt. Musik, verdammt noch einmal, ist Herzensbildung. Wer musiziert, der lebt sich hinein in Empfindungen wie Trauer, Liebe, Überschwang, stille Ergriffenheit, und er kann diese Seelenregungen mit den Zuhörern und Mitmusikern teilen. Tonkunst verbindet, oder trocken gesagt, sie fördert soziale Kompetenz.

Aber die Schräubchen-Forscher beeindruckt wohl auch das kaum. Soziale Kompetenz ließe sich ja auch anders stärken, könnten sie sagen, etwa durch eine Mathe-Gruppenarbeit. So gesehen, könnte man überhaupt den ganzen Kunstunterricht abschaffen. Und in weiterer Folge sämtliche Museen, Theater und Konzerthäuser. Weil dann eh keiner mehr einen Schlüssel zum Zauberreich der Kunst hätte.