Es heißt, man soll die Feste feiern, wie sie fallen. Und man wird nicht so oft 100. Genau genommen nur einmal. Und wenn man da nicht feiert, ist man im nächsten Jahr schon 101. Das ist schon auch eine attraktive Zahl, aber eher so für Zahlenmystiker. Für die Salzburger Festspiele kam das nicht in Frage - die Jubiläumsausgabe zu verschieben. Das ist verständlich, auch wenn es gerade in der schlimmsten Corona-Phase ein wenig irritierte, mit welcher Sturheit eine Absage "ausgesessen" wurde, während nach und nach jedes andere Festival das Handtuch warf. Die Hartnäckigkeit und die Nerven aus Stahl haben sich gelohnt: Am Samstag startet nun ein verkürztes Programm in Salzburg - aber es startet immerhin eines.

Dass Präsidentin Rabl-Stadler in Interviews ihr Unverständnis über Kollegen, die im Angesicht der Pandemie abgesagt haben, kundgetan hat, war vielleicht nicht ihr empathischster Zug. Immerhin verfügt nicht jeder über ein Budget, das auch den Bruchteil der verkauften Tickets verkraftet. Dennoch ist es auch für die Kollegen aus der Branche gut, dass die Salzburger Festspiele - mit strengem Sicherheitskonzept - stattfinden. Weil sie ein Testlauf für die kommende Saison sind, wie und ob die Vorkehrungen effektiv sind. Und nicht zuletzt hat die Standhaftigkeit der Salzburger in einer Zeit, in der sich alles darauf konzentrierte, was man wirklich braucht im Leben und was weg kann, das Fähnlein für die Kultur wacker hochgehalten. Wie es sich gehört mit 100 Jahren Erfahrung.