Zwei im letzten Augenblick zurückgezogene Elfmeter, hektische Diskussionen und eine elendslange Nachspielzeit: Für Kritiker des Videobeweises war der Europa-League-Viertelfinal-Hit zwischen Leverkusen und Inter (1:2) demnach ein neuer Aufreger. Doch das genaue Gegenteil war der Fall: Denn der spanische Referee Carlos del Cerro Grande und sein Videoassistent Alejandro Hernandez bewiesen am Montagabend fast lehrbuchmäßig, wie der umstrittene VAR im Fußball friktionsfrei anzuwenden ist: In Szene eins in Minute 26 war sich der Unparteiische auf dem Platz zunächst ganz sicher, dass ein Bayer-Verteidiger den Ball absichtlich mit der Hand gespielt hatte. Doch sein Kollege vor den Schirmen konnte ihn wohl mit heftigem Zureden - live gut mitzuverfolgen - zumindest überreden, sich die Sache an der Outlinie noch einmal anzusehen. Und schon erkannte del Cerro Grande, dass keine Absicht hinter dem Hands stand und der Ball nach neuer Regel eher an die Schulter ging. Glück für Leverkusen - genauso wie in Szene zwei knapp vor Schluss, als der Spanier nach einem Zweikampf wieder einen (harten) Penalty verhängte. Respektive wollte. Denn was keiner gesehen hatte, erkannte erneut der Videoreferee - dass nämlich ein Inter-Akteur unmittelbar davor den Ball an die Hand bekommen hatte.

Dass der Schiedsrichter die Partie dennoch ruhig zu Ende bringen konnte, mag auch daran gelegen haben, dass all das am verdienten Aufstieg der Italiener nichts änderte. Aber auch daran, dass der Referee Größe bewiesen hat und - entgegen seiner festen Überzeugung - doch noch einen Blick auf die Zeitlupe warf. Auch wenn dann mehr als acht Minuten Nachspielzeit herauskommen.