Wortmeldungen, die bei jenseits der 30-Grad-Marke abgegeben werden, sind immer mit Vorsicht zu genießen. Die Reaktion auf die Hitze ist ja sehr individuell. Manche reagieren mit Lethargie, andere mit Aggression. Rund um ein Interview des für vollmundige Sager bekannten Albertina-Chefs Klaus-Albrecht Schröder ist nun eine Verbalrauferei ausgebrochen. Schröder hatte, verkürzt gesagt, gemeint, man solle wegen Corona halt auf Theater verzichten. Besser sei es "das Leben zu schützen". Das wollten einige Theaterintendanten nicht auf sich sitzen lassen, zumal die Albertina ja auch nicht gerade eine Outdoor-Veranstaltung mit unendlich Platz und ohne Aerosol-Gefahren ist. Opernchef Bogdan Roščić ließ sich gar zu einer Replik im "Kurier" hinreißen, in der er Schröder der Ahnungslosigkeit, Hybris und Größenwahn zieh. Es sei bedauerlich, dass Schröder nicht Biochemie studiert habe, dann könnte er jetzt die Pandemie im Alleingang stoppen sowie den Nahost-Frieden wiederherstellen, ätzte der Direktor.

Der Gescholtene wiederum fühlt sich missverstanden und beteuert: "Ich bin kein Theater-Hasser! Nichts könnte weniger zutreffend sein." Er wolle eben nur nicht "als ein Cluster in die Weltpresse geraten".

Wie gesagt: Es ist Sommer und heiß. Und da die Theater mit oder ohne Corona im Sommer ohnehin nicht spielen, ist ein bisschen öffentliches Drama zur Erbauung wohltuend. Immerhin kann man sich aus der Katharsis mitnehmen, dass das Leben als Alphatier ausgesprochen mühsam ist.