Dass den Fußballfans beim Finalturnier in Lissabon die "wahrscheinlich spannendste Champions League aller Zeiten" geboten wird, wie Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge vermeinte, muss erst bewiesen werden. Zum einen gibt es "die Fans", also jene im Stadion gar nicht (sondern nur die vor den Pay-TV-Schirmen), zum anderen könnte das K.o.-Format ohne Rückspielmodus auch eher ein langatmiges Ballgeschiebe evozieren, wie man es aus der Entscheidungsphase von WM und EM her kennt. Einen (schlechten) Vorgeschmack bot der Viertelfinalauftakt zwischen Atalanta Bergamo und Paris St. Germain, das die Attribute "Krimi" und "Thriller" trotz der beiden späten Tore der Franzosen zum 2:1-Sieg nicht verdiente. Denn dem Duell zwischen David und Goliath war anzusehen, dass die einen (Paris) in fünf Monaten nur zwei Pflichtspiele bestritten hatten und also nicht recht konnten, während die anderen (Atalanta) in Hälfte zwei nicht mehr recht wollten, auf ihren Offensivstil pfiffen - mehr als 100 Pflichtspieltore in dieser Saison (!) - und nur noch den Vorsprung über die Zeit retten wollten. Am Ende entschied halt der eine Moment (respektive deren zwei) für die Startruppe von der Seine.

Zu befürchten ist, dass auch bei den folgenden Matches im Finish der längsten Fußballsaison aller Zeiten Taktik und Vorsicht das Spielgeschehen prägen, weil jeder kleine Fehler das Aus bringen kann. Und anders als sonst lässt sich der in einem Rückspiel eben nicht mehr ausbügeln. Dass bei solchen Turnieren am Schluss nicht immer die beste Mannschaft gewinnt, sondern jene mit mehr Glück und dem entscheidenden Tor im rechten Moment, ist hinlänglich bewiesen - schlag nach bei Portugal bei der Euro 2016 oder den Deutschen in den vergangenen Jahrzehnten.