Es ist schon grundsätzlich kein Politiker zu beneiden. In unserer Zeit der überzüchteten Wehleidigkeit mit Flexibilität in alle Richtungen ist es noch ein bisschen mehr so. Zum einen werden Politiker (zu recht) gescholten, dass sie großteils nichtssagende Worthülsen von sich geben. Tun sie es nicht, ist es auch nicht recht. Gesundheitsminister Rudolf Anschober erfuhr das, als er auf Twitter der dort herrschenden Kolloquialität folgte und seine Conclusio über einen Teil der corona-infizierten Kroatienurlauber - jung, männlich und feierwütig - mit dem Aufruf beendete: "Reißt euch zusammen und übernehmt auch Verantwortung!"

Mehr hat er freilich nicht gebraucht, er wurde kritisiert und verhöhnt, die Jugend auch noch dafür zu beschimpfen, dass sie halt irgendwo ihre Sehnsucht nach Sozialleben stillen muss. Nun kann man sagen: Ist es wirklich so eine Zumutung ein paar Monate aufs Feiern zu verzichten? Man kann auch aufrechnen, auf was andere Altersgruppen verzichten seit Ausbruch der Pandemie. Oder noch härtere Bandagen: Was wiegt ein verpasster Rausch am Adriastrand gegen all die entgangenen Einnahmen von selbstständigen Künstlern und Veranstaltern? Man kann auch sagen: Ok, und jetzt bitte noch so einen Tweet für alle, die in der U-Bahn keine Maske tragen.

Das kann man alles nicht so gegeneinander aufwiegen? Aber aus einem Aufruf, der offenbar der Frustration über die Ignoranz einiger Mitmenschen geschuldet ist, gleich einen Generationenkonflikt basteln, das kann man.