Es sind zwei Pole, gefühlt weiter voneinander entfernt als Lissabon und Liverpool. Und doch bilden sie beinahe die gesamte Bandbreite ab, die der internationale Fußball zu bieten hat. Denn während in Portugal Schön und Reich vor leeren Rängen um die Krönung in Europas Fußball kämpfen, hat in England ein junger Fan seine ganz persönliche gerade erlebt. Der elfjährige Lewis Docherty wurde von der Anhängerschaft des FC Everton zum "Fan of the Year" ernannt - und bekam als Preis neben einem VIP-Saisonticket für die Zeit, in der Zuschauer im Stadion wieder erlaubt sind, und Fan-Packages einen Video-Überraschungsanruf von Mannschaftskapitän Seamus Coleman.

Es war das wohl schönste Geschenk für den jungen Mann, der an Kinderlähmung leidet, seine Zeit normalerweise zwischen Krankenhaus und Goodison Park verbringt und dort dennoch unermüdlich und stets mit einem Lächeln im Gesicht mithilft, Geld für den Klub und weitere wohltätige Zwecke aufzutreiben. Er sei eine Inspiration für viele und verkörpere den "Everton Spirit", der für Diversität und Inklusion steht, perfekt, hieß es in den zahlreichen Lobkundgebungen, die sich freilich über Social Media, wo das Video viral ging, multiplizierten.

Es war natürlich auch ein bisschen Feel-Good-Werbung für den Klub, der die Saison in der Premier League auf Platz zwölf beendet hat. Andererseits leben die Toffees, die sich anders als viele englische Klubs noch nicht zu Mehrheitsanteilen in der Hand ausländischer Investoren befinden, die Verbindung zu ihren Anhängern und eine gewisse Bodenständigkeit ganz besonders stark, zumindest wohl stärker als so mancher der aktuellen Champions-League-Aspiranten.

Man kann nur hoffen, dass dieser Geist auch nach der Corona-Pandemie, wenn Einbußen ausgeglichen und frische Einnahmen lukriert werden sollen, erhalten bleibt - und dass Fans ihn bald wieder sicher in den Stadien spüren können.