Man stelle sich vor, Red Bull Salzburg stünde im Finale der Champions League. Man stelle sich weiters vor, abgesehen von der Hardcore-Fanszene und Red-Bull-Hassern würden Fußball-Freunde in ganz Österreich mit entsprechenden Schals und Trikots bekleidet friedlich diesen Meilenstein des österreichischen Klub-Fußballs auf den Straßen zwischen Bregenz und Eisenstadt feiern - und in einer bestimmten Stadt von der Polizei dafür sanktioniert werden. Unvorstellbar?

Nunja, in Frankreich wäre es beinahe dazu gekommen. Denn die Behörden in Marseille haben am Freitag ein Dekret herausgegeben, wonach die Unterstützung von PSG-Fans in Teilen der Stadt am Finaltag der Champions League hätte untersagt werden sollen. Am Sonntag sei ab 15 Uhr die Anwesenheit von PSG-Anhängern oder "Personen, die sich als solche präsentieren" im Alten Hafen und den umliegenden Stadtteilen verboten, hieß es zunächst - unter Androhung einer hohen Geldstrafe sowie bis zu sechs Monaten Haft.

Nach einiger Kritik nahmen die Behörden dies wenige Stunden später zwar zurück, die PSG-Fans seien aber angehalten, sich öffentlich "nicht prahlerisch" zu verhalten und einen möglichen Sieg ihrer Mannschaft gegen den FC Bayern am Sonntag (21 Uhr) nur "bescheiden zu feiern" - was immer das auch heißt.

Mit Corona hat das alles jedenfalls nichts zu tun, die Hintergründe sind vielmehr die Rivalität zwischen den Klubs aus Paris und Marseille sowie die Tatsache, dass es in der Hafenstadt schon öfters zu gewaltsamen Ausschreitungen gekommen ist. Die Sorge vor ihnen mag also berechtigt sein. Eine Kapitulation vor notorischen Krawallmachern ist aber eher das Gegenteil davon.