Sportlich hat man schon bessere Finalspiele in der Champions League erlebt. Und doch hat dieses besondere Geschichten geschrieben: Da wäre zum einen die gespenstische Atmosphäre im Estadio da Luz, in dem ausgerechnet dem Franzosen Kingsley Coman mit seinem Tor für den FC Bayern gegen Paris Saint-Germain ein Licht aufging, da wären zum anderen die Tränen Neymars, die die Wandlung des Egozentrikers zum Mannschaftsspieler glaubhaft machten, da wäre ein David Alaba, der diesen tröstend in den Arm nahm und im Vertragspoker nun gute Karten hat.

Da wäre aber auch der FC Bayern selbst, der sich von einem Haufen hochveranlagter, aber bisweilen divenhafter Individualisten zu einem Kollektiv mauserte. Joshua Kimmich sprach davon, dass es "das Maximum" sei, "wenn man mit Brüdern" so einen Titel gewinne; Thomas Müller davon, dass man sich in der Mannschaft beinahe darum streite, wer die Fehler eines anderen ausbügeln dürfe.

Freilich standen die Spieler am Sonntag im Mittelpunkt, doch diese Attitüde ist nicht zuletzt Hansi Flick geschuldet, der das Team im November in einer Situation der Verunsicherung übernahm und nun zum ersten Triplegewinn seit Jupp Heynckes 2013 führte, sich von der Interims- zur Dauerlösung hochdiente und dabei nie selbst in den Vordergrund stellte.

Es ist Flicks Werk, dass das bisher an der Grenze zur Arroganz angesiedelte Mia-san-mia-Gehabe der Bayern nun neu interpretiert wird. Auch das ist eine Geschichte, die in der langen Historie der Münchner einen besonderen Stellenwert verdient.