Die Videos sind reichlich bizarr: Junge Tiktok-User schminken sich mit Brandmalen oder Blutergüssen, setzen ein Kopftuch auf und singen so - verkleidet als Holocaust-Opfer - einen Song nach. Dieser neue Trend auf dem umstrittenen chinesischen Kurzvideodienst Tiktok dürfte nun der Debatte um das Verbot des Dienstes nachträglich eine gewisse Rechtfertigung geben. Zwar ist die Intention der User keineswegs negativ: Viele betonen ausdrücklich, auf den Holocaust und etwa das Lager Auschwitz aufmerksam machen zu wollen. Aber gut gemeint ist eben ganz oft nicht gut.

Denn es gibt wohl kaum ein Soziales Medium, das weniger für "Aufklärung" geeignet wäre. Mehr als ein paar hingeworfene Hashtags gehen sich als Text nicht aus - und somit bleiben eine geschmacklose Faschingsverkleidung und ein unpassender Song über. Besonders oft wird bei diesen Videos, von denen manche hunderttausend Likes und mehr haben, das Lied "Locked out of Heaven" von Bruno Mars verwendet. Ein Song, in dem es nicht etwa um den Himmel als religiösen Ort geht, sondern als Metapher für Sex mit der Verflossenen, der nicht mehr stattfindet. Dümmer und gedankenloser geht es wirklich kaum noch. Einmal ganz davon abgesehen, dass es im Judentum den Himmel als Ort für Verstorbene nicht gibt, das ganze also auch noch eine christliche Zwangsinterpretation darstellt.

Dass Tiktok an den Videos nichts auszusetzen hat, ist dann eigentlich auch schon egal. Nützen wird es dem Dienst wohl nicht.

Auf Twitter postete eine 19-jährige junge Frau aus Los Angeles, die Vorfahren im Holocaust verloren hat, einen Thread zum Thema: