Der Goldene Löwe der Filmfestspiele Venedig für das US-Drama "Nomadland" hat vergangenes Wochenende doch überrascht: Nicht nur, dass die Jury um Cate Blanchett damit die einzige Studioproduktion mit höchsten Ehren überschüttete, es war außerdem vermutlich ein Kompromisskandidat der Marke "Hollywood nutzt den Lido als Abspielstätte für spätere potenzielle Oscar-Ware". Da Corona-bedingt niemand vom Team anreisen konnte, nahm den Löwen für das von Fox Searchlight produzierte Drama eher unglamourös der Marketingleiter von Disney Italia entgegen, weil Disney inzwischen Fox geschluckt hat. Ein Zeichen für die eintöniger werdende Filmwelt.

Eintönigkeit kann man auch dem Film selbst vorwerfen: eine Aneinanderreihung von Szenen einer modernen Nomadin (Frances McDormand), die unter die Räder des US-Kapitalismus gekommen ist und nun den gesellschaftlichen Totalausstieg proben muss. Kein schlechtes Thema und ein Löwe mit Signalwirkung in härter werdenden Zeiten. Doch ein bisschen auch ein Schlag ins Gesicht der anderen Preisträger, die deutlich radikaler, innovativer oder in ihrer filmischen Form gewagter sind, etwa "New Order" aus Mexiko, (Großer Preis der Jury), oder Andrej Konchalovskys Abrechnung mit dem UdSSR-Regime (Preis der Jury). Schade, dass das Festival von Venedig sich seit Jahren so sehr dem US-Arthaus-Mainstream hingibt und mit "Nomadland", "Joker" oder "La La Land" immer wieder prominente Filme dahin stellte, wo eigentlich die Kunst stehen sollte.