Ludwig van Beethoven ist offenbar bei einem Treffen des Ku-Klux-Klan entdeckt worden. Sein Hörrohr soll unübersehbar unter der weißen Kapuze hervorgeragt haben. Man muss die Konzerthäuser von seiner Musik säubern!

"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.
"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.

Nachdem der US-Musiktheoretiker Philip Ewell die Musikwissenschaft des Rassismus zieh, erkennt nun Liz Jolly, Chefbibliothekarin der British Library, in Beethoven und im jüdischen Komponisten Felix Mendelssohn-Bartholdy Symbole der "White Supremacy": Büsten sollten entfernt und Spielpläne überdacht werden.

Der Unfug ist uferlos.

Was diese Gleichberechtigungsvordenkerinnen und -vordenker nicht begreifen wollen, ist, dass Beethoven und Mendelssohn nicht dominieren, weil sie Weiße, sondern, weil sie verdammt gute Komponisten waren. Mozart zu spielen, wendet sich nicht gegen die Inuit, Verdi zu spielen, nicht gegen die Aborigines, Mahler zu spielen, nicht gegen die Samen.

Aber gibt’s denn keine schwarzen Komponisten? - Doch. Nur gehören sie, das ist halt die Entwicklung der Musikkultur, zur "Neuen Musik". Und die ist von vorneherein weniger beliebt als Beethoven oder Mendelssohn, egal, ob sie nun von Alvin Singleton oder von Karlheinz Stockhausen stammt.

Es ist auch keine Frage der Hautfarbe, dass William Dawsons "Negro Folk Symphony" weder Beethovens "Fünfter" noch Mendelssohns "Italienischer" den Rang abläuft. Vielleicht sollte man die Werke im Konzert einander gegenüberstellen - mit Applausverbot für das Publikum. Andernfalls würde alles noch schlimmer.