Die Regelhüter der Formel 1 will man jetzt auch nicht gerade sein. Da ist zum einen einmal das technische und Wettbewerbs-Reglement, das sie ohnehin immer wieder vor Herausforderungen stellt - so geschehen auch bei der Kritik an der Strafe für Lewis Hamilton wegen seiner Startübungen vor dem Grand Prix von Russland, die ihn eine bessere Platzierung als Rang drei kostete und seinem Mercedes-Teamkollegen Valtteri Bottas den Weg zum Sieg ebnete -, da sind zum anderen Hamiltons anhaltende Proteste gegen Rassismus.

Vielfach wurde der Weltmeister für seinen Einsatz für die Black-lives-matter-Bewegung gelobt, beim Rennen in Mugello trieb er es dem Weltverband zufolge aber doch zu bunt. Weil er ein T-Shirt mit der Aufschrift "Verhaftet die Polizisten, die Breonna Taylor getötet haben" trug, präzisierte die FIA nun ihre Regeln. Neuerdings ist das sichtbare Tragen von T-Shirts auf dem Stockerl beziehungsweise während der Siegerehrung untersagt, die Fahrer dürfen nur den bis zum Hals geschlossenen Rennanzug anhaben. Die Unterstützung für den Kampf gegen Rassismus ist freilich weiterhin erlaubt.

Das in Corona-Zeiten auf Social Media kursierende Motto, wonach jeder bald jemanden kennen werde, der sich nicht mehr auskennt, lässt sich offenbar auch auf die Formel 1 übertragen. Hamilton wird’s verkraften: Mit seinen Botschaften fällt er fast schon mehr auf als mit seinen Erfolgen, was durchaus was heißen will. Und so geschlossen auch der Anzug ist - Augen und Mund wird er wohl weiterhin nicht verschließen.