Eigentlich wäre diese Meldung unter den gegebenen Umständen keine Erwähnung wert - dass die für Mitte Dezember geplanten Kunstturn-Europameisterschaften nicht in Baku, sondern in der türkischen Küstenstadt Mersin stattfinden werden nämlich. Grund ist natürlich Corona und die Vorgabe von Aserbaidschans Regierung, dass aufgrund der Virus-Pandemie in dem Land keine Großevents durchgeführt werden dürfen. Folglich sah sich der europäische Turnverband zu einer erneuten Planänderung gezwungen, nachdem die beiden Titelkämpfe ursprünglich ja im Mai in Paris (Frauen) und Baku (Männer) ausgetragen hätten werden sollen.

Nun hat die Entscheidung, beide Events in die Türkei zu verlegen, zwei kleine Schönheitsfehler. Zum einen wäre da die Wahl der Alternativ-Austragungsstätte. Nachdem die Türkei mit Blick auf die Corona-Statistik nicht gerade als sicher gilt, stellt sich die Frage, warum nicht andere Städte in Betracht gezogen wurden? Und zweitens ist das Land, was noch viel schwerer wiegt, an mehreren Schauplätzen in kriegerische Handlungen involviert - Syrien, Libyen, Irak und Berg-Karabach. Ja sogar gegenüber dem Nato-Partner Griechenland rasselt Ankara kräftig mit den Säbeln. Warum man hier ausgerechnet der Türkei die Ehre gibt, eine EM zu beherbergen, erschließt sich nicht ganz.

Ein Einwand, der freilich auch für Aserbaidschan, das seit einigen Wochen Krieg gegen Armenien führt, gilt. Angesichts der Opfer, die täglich gemeldet werden, wäre es selbstverständlich gewesen, die Kunstturn-EM zu verlegen. Dass man Corona als Grund vorschob, zeugt von fehlendem Gespür.