Was war der erste Film, den Sie im Kino gesehen haben? "Bambi"? "Dschungelbuch"? "König der Löwen"? "Toy Story"? Anzunehmen, dass die Antworten auf diese Frage einen durchaus hohen Disney-Anteil haben. Diese Woche hat der Unterhaltungskonzern bekanntgegeben, dass die neueste Pixar-Produktion "Soul" am ersten Weihnachtstag im hauseigenen Streamingdienst Premiere feiern wird. Der Film wird also in keinem Kino zu sehen sein. Schuld ist natürlich die Corona-Pandemie, die in den USA immer noch für geschlossene Kinos sorgt. Schon die Realverfilmung des chinesischen Abenteuers "Mulan" hat Disney deswegen im Internet veröffentlicht.

Nun ist es natürlich schön für Disney, dass es diese Abspielmöglichkeit hat, und sie scheint ja lukrativ zu sein, denn sonst hätte man sich nach dem Testballon "Mulan" nicht entschieden, den nächsten Film so ans Publikum zu bringen. Für die Kinobetreiber ist das freilich eine weniger gute Nachricht. Vor allem für jene in Europa, die bereits seit einigen Monaten wieder geöffnet haben, aber keinen Nachschub aus Hollywood bekommen. Weil dort fertige Filme nicht an den Start gelassen werden, solange der wichtige US-Markt fehlt. Noch schlimmer ist es, wenn diese Filme ganz aus dem Spiel genommen werden, wie nun "Soul". Es ist ein bisschen kurzsichtig, wenn man die Kinos im Rest der Welt kaputtgehen lässt, weil man sich so auf die USA konzentriert. Niemand wird einen je fragen, welchen Film man als Ersten im Streaming gesehen hat.