Die Pressekonferenz, in der Bundeskanzler Sebastian Kurz die bundesweite Verschärfung der Anti-Corona-Maßnahmen ankündigte, lief naturgemäß auch auf YouTube. Dort brachte sie die Volksseele zum Kochen.

"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.
"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.

Ein paar Auszüge aus den Kommentaren (in originaler Rechtschreibung und Interpunktion):

- Verarscht wem anderen!!!!!

- Ferngesteuerte Saubande !

- Lügen, lügen und lügen- das ist ihre Motto

- MNS ist eine Freiheitsberaubung!

- Kurz der Soros Zögling.

- Und wieder mal leckte er die Stiefel des George Soros

- ich ignoriere diese Maßnahmen weil ich für diese Volksverarsche kein Verständnis habe!

So geht es weiter und weiter. Es gibt kaum Widerstand gegen diesen Wortdurchfall an Hass und Ignoranz.

Allerdings lehren solche YouTube-Kommentare, was die Corona-Infektionen derzeit in die Höhe treibt, nämlich der Egoismus: Die Ich-Gesellschaft hat die Solidarität aufgekündigt. Die Spaßgesellschaft nimmt das Land in Geiselhaft. Die eigene Party ist mehr wert als die Gesundheit oder das Leben des Nächsten.

Die grundlegende Frage ist aber auch, wie man damit umgehen soll. Ist "nicht einmal ignorieren" bei einem stark frequentierten Medium wie YouTube die richtige Taktik? Oder sollte man dem Widerstand der Unvernunft den Widerstand der Vernunft entgegensetzen? Immerhin wäre das nicht zuletzt etwas, das man auf YouTube ohnedies wenig findet: ein Signal für mehr Solidarität.