So hatte sich Bernie Ecclestone seinen 90. Geburtstag wohl auch nicht vorgestellt. Anstatt großer Party war am Mittwoch Abstand angesagt, schließlich kann eine Corona-Ansteckung in dem Alter schon das Todesurteil bedeuten. Ob Ecclestone selbst das so eng sieht? Zumindest scheint er vor dem Tod keine Angst zu haben. Als er einmal von einer Zeitung gefragt wurde, woran er glaube, antwortete er: "An nichts!" Er brauche keine Religion, weil die wahre Weltreligion "das Geld" sei. Nun, wer’s hat, tut sich auch leichter, daran zu glauben. Und im Fall von Ecclestone sind das rund 4,2 Milliarden US-Dollar.

Das Gebetsbuch hat der Ex-Boss der Formel 1 daher bereits schon sehr früh gegen das Scheckbuch eingetauscht und es immer dann gezückt, wenn der Mammon als effektiver Nothelfer gefragt war. Diverse Schmiergeld-Affären belegen das, in fester Erinnerung geblieben ist auch ein Gerichtsverfahren wegen Bestechlichkeit und Anstiftung zu Untreue 2014 in München, aus dem sich der Engländer mittels 100-Millionen-Dollar-Überweisung freikaufte. Peanuts für Ecclestone.

Nun mag Geld das Leben leichter machen, allerdings verdirbt es bisweilen auch den Charakter, wie unüberlegte Aussagen über Hitler ("kein Diktator") oder zur aktuellen Rassismus-Debatte ("Schwarze sind in vielen Fällen rassistischer als Weiße") zeigen. Auch wenn Ecclestone dafür kritisiert wurde, er konnte sich auch das leisten. Welches Vorbild er damit für seinen im Vorjahr geborenen Sohn "Ace" ist, steht auf einem anderen Blatt. Viel Zeit, dieses Image noch zu ändern, bleibt ihm womöglich nicht mehr.