"Er lebte für seinen Traum", steht auf der weißen Marmorplatte, die das Grab des am 30. April 1994 in Imola verunglückten Formel-1-Rennfahrers Roland Ratzenberger auf dem Friedhof in Maxglan in Salzburg ziert. Viel mehr ist von dem Österreicher, der wegen eines gebrochenen Frontflügels nur 33 Jahre alt wurde, nicht geblieben. Und so wird auch das Gedenken an ihn beim Grand Prix von Imola am Wochenende von einem zweiten überlagert werden - jenem an Ayrton Senna, der am 1. Mai 1994 ebenfalls in einem Crash ums Leben gekommen war.

Kommt das Gespräch auf Imola, wird bis heute meist immer nur vom dreimaligen Weltmeister aus Brasilien gesprochen. Auch, weil dessen Tod dazu führte, dass die Sicherheitsregeln in der Formel 1 überarbeitet wurden und damit auch die tödlichen Unfälle im Rennzirkus drastisch reduziert werden konnten. Ratzenberger, das zweite Opfer, kam und kommt in diesem Zusammenhang kaum zur Sprache. Ist sein Tod etwa weniger wert, weil er ein Rookie war und in der Emilia-Romagna erst sein drittes Rennen bestritt?

Die, die den Salzburger kannten und seine Geschichte miterlebt und verfolgt haben, empfinden diese Ungleichbehandlung als nicht gerechtfertigt - darunter etwa Ratzenbergers Teamkollege David Brabham, der sich bei einem Imola-Besuch 2018 daran stieß, dass hier "nichts" (außer eine schwer zu findende Tafel an der Tosa-Kurve) an den Piloten erinnere, während Senna unter anderem eine Statue gewidmet wurde. Warum die Erinnerung an Ratzenberger, der trotz widriger Umstände in die Formel 1 gelangt und dessen Tod nicht weniger tragisch ist, kein Denkmal erhält, erschließt sich nicht. Es muss ja nicht aus weißem Marmor sein.