"Fassungslos", "Katastrophe" - das waren Schlagworte, die zuletzt aus den Kulturszenen Deutschlands und der Schweiz zu hören waren. Zur Eindämmung der zweiten Welle der Corona-Pandemie werden Theater, Konzerthäuser und Kinos dort nun wieder geschlossen. In Österreich ist kaum eine andere Vorgehensweise zu erwarten.

Das ist aus mehreren Gründen - und die haben wenig mit dem Mangel an Zerstreuung zu tun - bitter. Zum einen aus demselben Grund wie im Frühling: Tausende Menschen werden auch in diesem Bereich wochenlang ohne Beschäftigung und ohne Bezahlung sein. Zum anderen, weil gerade Kultureinrichtungen viel investiert haben, um einen infektionssicheren Betrieb aufnehmen zu können. Sie haben Sitzreihen entfernt, sie haben Buffets neu möbliert, sie haben Plexiglasscheiben angebracht, sie haben eine Ticket-Personalisierungslogistik geschaffen. Und sie nehmen eine (mindestens) Halbierung der Einnahmen hin, weil sie weniger Plätze besetzen.

Das ist sehr viel mehr an Vorbereitung und Maßnahmensetzung über den Sommer, als etwa Schulen geleistet haben. Oder auch der öffentliche Verkehr (Wiens), der diese Pandemie mit einer beachtlichen Hartnäckigkeit zu ignorieren scheint. Daher erscheint es unfair, dass auch diejenigen, die sich gekümmert haben, wieder zusperren müssen. Auch wenn es unumgänglich ist. Unter anderem deswegen, weil der hohe Hygienestandard im Theater hinfällig ist, wenn man mit der Bim im niedrigen Hygienestandard hinfährt.