Vier Menschenleben wurden am Montagabend ausgelöscht. Vier Menschen, die keine Chance hatten im Kugelhagel. Mitten in Wien, wo sie sich sicher fühlten. Diese Menschen - zwei Frauen und zwei Männer - bekommen langsam immer klarere Konturen - anders als erste Informationen des Innenministers etwa von einem "älteren Paar" sprachen, ist das älteste Opfer nur 44 Jahre alt gewesen. Die Frau hieß Gudrun, ihre Schwester hat im "Standard" einen Nachruf auf sie veröffentlicht. Sie schrieb darin, dass ihre Schwester immer eine Vermittlerin war und dass sie, hätte er ihr die Möglichkeit gegeben, zu ihrem Mörder gesagt hätte: "Hör sofort auf mit dem Scheiß, das ist doch Blödsinn. Leg die Waffen weg und setz dich her zu mir. Erzähl mir, was dich so wütend macht." Niemals, so ergänzt die Schwester, hätte sie gesagt: "Schleich di, du Oaschloch."

Es ist ungeheuer großzügig, dass die Schwester des Opfers diese Zeilen mit der Öffentlichkeit teilt. Sie hätte jedes Recht darauf, ihre Trauer für sich selbst und ihre Familie bewahren zu wollen. So aber hilft sie dabei, nicht nur die Absicht des Attentäters, selbst im Mittelpunkt zu stehen, zu unterlaufen, indem sie ihre Schwester vor den Vorhang holt. Sie tut dies auch noch mit einer entwaffnenden Versöhnlichkeit.

Medien, die dem Beispiel folgen wollen, dürfen aber nicht vergessen, dass diese Entscheidung von den Hinterbliebenen selbst und freiwillig kommen muss. Denn am Ende geht es nur darum, den Toten Respekt zu erweisen. Auf die eine oder die andere Weise.