Der Abend des Terroranschlags in Wien brachte es ans Licht: Auch im österreichischen Journalismus gilt "quick & dirty" - also lieber Info rausschicken, die auch falsch sein kann und dafür der erste sein. Manche Branchengrößen liefen da bekanntlich zu wahren "Gerüchte-Superspreadern" auf. Das ist gut fürs Ego, kann man sich dabei doch ganz erstklassig als vermeintlich bestens vernetzter Träger von Exklusivinformationen aus der Polizei präsentieren.

Aber der Leser honoriert das offenbar nicht. Das zeigt eine Gallup-Studie, die für Ernüchterung sorgen sollte. Denn 58 Prozent der österreichischen Bevölkerung lehnen die Vorgangsweise einiger Medien bei der Berichterstattung ab. Ganze 53 Prozent wollen keine Informationen, die offiziell nicht bestätigt sind. Und immer noch mehr als die Hälfte spricht sich gegen die Veröffentlichung von Fotos und Videos aus, die Szenen des Attentats in der Wiener Innenstadt zeigen. Vor allem jüngere und gebildete Leser haben den Status quo satt. Nur ein Drittel findet die Publikation gut.

Besonders bitter: Die Befragten können sich auch damit anfreunden, dass Medien, die Gerüchte streuen, die Presseförderung gestrichen wird (sofern sie überhaupt eine erhalten). Noch deutlicher ist die Zustimmung zur Aussage, dass Unternehmen dort keine Werbung schalten sollen.

Sicherlich, die Gratwanderung zwischen schnell und richtig kann schon mal misslingen. Aber das sollte, nicht zuletzt angesichts dieser Zahlen, lieber nicht zur Gewohnheit werden.