Es ist interessant, mit welcher Verve neuerdings über das Thema Bildung diskutiert wird. Corona macht’s möglich: Da wird nicht mehr über Sinn und Unsinn von Noten oder der Ganztagsschule gezankt, sondern in einem raren Schulterschluss aller relevanten Kräfte im Land (ausgenommen das Bundeskanzleramt) auf dem Schlachtfeld namens Covid-19 das Offenlassen der Kindergärten und Volksschulen gefordert. In die Reihen der Verteidiger eingereiht hat sich am Donnerstag nun auch Sport-Austria-Boss Hans Niessl, der betont, das Corona-bedingte Schließungen nur der "allerletzte Schritt sein" dürften. Gleichzeitig forderte er aber, den Vereinssport für unter 14-Jährige "möglichst rasch" wieder hochzufahren, um, wie er sagte, das Immunsystem der Kinder zu stärken.

Nun, Niessl wird sich angesichts der durchschnittlich knapp 7.000 Covid-Infektionen, die Österreich zuletzt pro Tag zu verzeichnen hatte, entscheiden müssen. Die Schulen und die Sportplätze für die Amateure offen zu halten - das wird sich so nicht ausgehen, wobei sich die Frage, welcher der beiden Institutionen der Vorzug gegeben werden soll, erübrigt. Es geht hier nicht mehr nur um ein statistisches Infektionsrisiko oder die technische Einhaltung von Hygienevorschriften, sondern - wie allseits zu Recht betont wird - um rudimentärste Bildung, allen voran (Recht-)Schreiben, Grundrechnungsarten und Lesen. Um diese war und ist es jetzt schon bei angehenden Studenten und Lehrlingen schlecht bestellt, auf welches Fundament soll da die verlorene Corona-Generation, die noch dazu die irrwitzigen Corona-Hilfen des Staates einmal bezahlen wird müssen, ihre Zukunft bauen?

Nicht das Coronavirus ist für die Kinder von heute das Problem, sondern das Virus der Unbildung und Dummheit. Und dagegen hilft auch kein Sport.