Natürlich hat Marcel Sabitzer recht. Und doch liegt er nicht ganz richtig. In widersprüchlichen Zeiten wie diesen ist eine solche Feststellung nichts Ungewöhnliches. So hat der Leipzig-Kapitän in überraschend scharfen Worten und noch dazu just vor zwei wichtigen Länderspielen ebendiese kritisiert. "Im Endeffekt sind wir so Puppen, die ausführen, ausführen müssen", sagte der 26-jährige Steirer, der eigentlich eine Absage der drei November-Länderspiele erwartet hätte. "Wenn man sich die Lage in ganz Europa anschaut, ist es schon fragwürdig, warum solche Sachen durchgeführt werden."

Unbestritten ist, dass die Fußballer in Europa - zumindest die Stammspieler - aufgrund der de facto fehlenden Sommerpause und des gerafften Zeitplans chronisch überspielt sind. Da auch die Winterpause zusammengestrichen wird, werden sich die (muskulären) Verletzungen noch mehr häufen. Aber wenn man nun wieder beginnen will, wegen der Pandemie abzusagen, stellt sich die Frage: auf welchen Termin? Und warum ausgerechnet bei den Ländermatches streichen, die ohnedies fast ein Jahr lang nicht stattfinden konnten? Die Champions-League-Partien von RB Leipzig samt drei mühsamen Auslandsreisen würde Sabitzer ja gewiss auch nicht opfern.

Faktum ist, dass der ÖFB - zumindest ursprünglich - sogar froh war über ein weiteres November-Testspiel (gegen Luxemburg); Faktum ist auch, dass im März 2021 schon die WM-Qualifikation beginnen soll, es ergo keine Ausweichoptionen für die Nations League gibt; und Faktum ist, dass Marko Arnautovic die logistische Herausforderung auf sich nimmt und sogar aus China anreist, um für sein Land zu spielen. Selbiges soll stets eine Ehre und nie eine Last sein - egal in welchen Zeiten.