Der Industrielle und Neos-Großmäzen Hans Peter Haselsteiner verlässt den ORF-Stiftungsrat. In dem Gremium, das im kommenden Jahr die ORF-Spitze neu wählen wird, saß er auf dem den Neos zustehenden Mandat. Das ist wenig aufregend - die Neos werden ihr Mandat eben mit einem anderen geneigten Menschen besetzen. Kurios freilich mutet an, dass Haselsteiner seinen Rückzug mit einer Art Rundumschlag versah. "Ich habe festgestellt, dass den Vertretern der diversen Freundeskreise der Blick auf ihre eigene Macht und parteipolitischen Vorteile weit wichtiger ist als der Erfolg des ORF. Die Bedeutung des Stiftungsrates als strategisches
Leit- und Kontrollgremium geht heute gegen null", moniert Haselsteiner. Zudem sei der Einfluss des Bundeskanzlers zu groß. "Ich hasse diese Scheinheiligkeit, wenn alle so tun, als würde der Stiftungsrat entscheiden. Da lachen ja die Hühner."

Das ist erstaunlich. Denn Beobachter haben die vergangene Wahl des ORF-Chefs noch nicht vergessen. Man erinnere sich: Es gab eine knappe Kampfabstimmung, in der sich ORF-Chef Alexander Wrabetz durchsetzte - mit kräftiger Hilfe des Neos-Mandatars, der vor und während der Sitzung wild gestikulierend im Zweiergespräch andere Mandatare bearbeitete. Sicher ging es da nur "um den Erfolg des ORF".

Möglicherweise hat Haselsteiner seine Rolle als Wahlkämpfer vergessen - die Politik ist schnelllebig. Andere haben das nicht. Und die können sich angesichts solcher Töne nur wundern.