Natürlich stehen am Ende zwei Niederlagen. Zwei Niederlagen, die so nicht hätten sein müssen und deswegen umso ärgerlicher waren. Sowohl Dominic Thiem als auch Jürgen Melzer verloren ihre Endspiele beim ATP-Tour-Finale in London denkbar knapp, für Thiem gab es ein 6:4, 6:7, 4:6 im Einzelfinale gegen den Russen Daniil Medwedew, der dennoch als verdienter Sieger aus dem hochklassigen Match hervorging, für Melzer gemeinsam mit seinem französischen Partner Edouard Roger-Vasselin ein 2:6, 6:3, 5:10 gegen die niederländisch-kroatische Paarung Wesley Koolhof/Nikola Mektic im Doppel.

Während Thiem zuzutrauen ist, noch öfter die Chance auf den inoffiziellen Weltmeistertitel zu haben, war es das damit für Melzer, der seine Karriere ausklingen lässt und nur noch vereinzelte "Genussprojekte" in Angriff nehmen wird. Dabei ist seine Leistung in den vergangenen Jahren vielleicht noch bemerkenswerter. Früher bisweilen als "Jammerer" abgeschrieben, hat er sich nach langwierigen Verletzungen immer wieder zurückgekämpft beziehungsweise neu orientiert. Es nach einigen Pausen und Partnerwechseln im letzten Karrierejahr noch einmal unter die acht besten Doppel der Welt zu schaffen und dort nur haarscharf an einem der größtmöglichen Siege vorbeizuschrammen, verdient mehr Beachtung, als ihm im Zuge des Thiem-Hypes bisweilen zuteil wurde.

Während manchen mitunter nachgesagt wird, den idealen Zeitpunkt für den Rücktritt verpasst zu haben (wobei diesen immer noch jeder selbst bestimmen dürfen sollte), kann der 39-Jährige tatsächlich aufhören, wenn’s am schönsten ist - und das mit gutem Gewissen. "No regrets", sagt er, die Freude auf seinen neuen Job als ÖTV-Sportdirektor überwiege. Als solcher wird er dem Tennis sicher viel geben können. Wegen seiner unbestrittenen Erfolge - aber nicht zuletzt auch wegen seiner Niederlagen, von denen er sich immer wieder aufgerappelt hat.