Wenn Sie den Namen Marcel Hirscher im Zusammenhang mit Ski-Berichterstattung nicht mehr hören können, sollten Sie an dieser Stelle nicht weiterlesen. Dann würde Ihnen allerdings eines seiner überlieferten Bonmots, das sehr gut zum gehypten Parallel-Rennen in Lech/Zürs passt, entgehen. So hat der Skistar a. D. einmal nach einer nur mittelprächtigen Fahrt in good old Otto-Waalkes-Englisch gemeint, sie sei "not the yellow of the egg" gewesen. Nun, all das, was wir Donnerstag und Freitag gesehen haben, war gewiss weder sportlich hochklassig, noch sonderlich spannend oder rasend prickelnd. Also nicht das Gelbe vom Ei, was der Ski-Rennsport an sich frei Haus zu liefern imstande ist. Hinzu kamen bei der Herren auch noch Pannen bei Start und Ziel, die just Österreichs Besten Adrian Pertl (Endrang vier) betrafen.

Da konnten sich die Fernsehkommentatoren noch so sehr bemühen - auch, um die sonst in Österreich herrschende und nun doppelt fehlende Kulisse zu kompensieren. Doch auch so lässt sich nicht erschließen, warum dieser 20-Sekünder mit dem Kampf Frau gegen Frau respektive Mann gegen Mann die Zukunft des Skisports sein soll und in Cortina auch erstmals mit WM-Medaillen belohnt wird. So mag die Qualifikation zwar fairer sein als früher bei den City-Events (mit Zutritt in die K.o.-Phase nach Weltrangliste), doch wer soll ernsthaft 65 Athleten zwei (!) Kurzläufe lang auf die Skier schauen, wie sie sich um 16 Finalplätze matchen? Auch das Finale ist nicht wirklich eine geraffte Sache bei einer Dauer von mehr als einer Stunde. Nur um den Athleten dabei zuzusehen, wie sie im Gleichklang einen unattraktiven Kurs runterschwingen. 

Das ist sicher nicht die Essenz des Rennsports! Der funktioniert immer noch am besten über Tradition, die Klassiker, spektakuläre Kurssetzungen, hohes Tempo, den ewigen Kampf gegen die Hundertstel - und die von ihm hervorgebrachten Stars. Womit wir noch einmal bei Hirscher angelangt wären.