Red Bull Salzburg hat sich also - wie im Vorjahr - ein "Finale dahoam" um einen Achtelfinalplatz in der Champions League erkämpft. Damit hätte vor kurzem noch kaum jemand rechnen können, dann nach drei - etwas unglücklichen - Niederlagen gegen Atletico Madrid und zwei Mal Bayern München musste man eigentlich alle Aufstiegsoptionen schon abschreiben. Schuld an dieser Last-Minute-Chance ist einerseits Titelverteidiger Bayern, der die Gruppe A dominiert und mit dem Punktgewinn in Madrid die heuer schwächelnden Colchoneros auf die Wartebank zwang; andererseits haben sich die Salzburger von Spiel zu Spiel gesteigert und beim 3:1 bei Lok Moskau endlich auch defensive Kompaktheit über die volle Distanz an den Tag gelegt. Augenscheinlich war eine fast überschießende Aggressivität - etwa von Rechtsverteidiger Rasmus Kristensen, der jeden gewonnen Zweikampf wie weiland Dominic Thiem einen Rückhand-Passierschlag bejubelte.

Sollte am Mittwoch mit einem Heimsieg gegen Atletico der Aufstieg mit dann sieben Punkten gelingen, wäre dies insofern bemerkenswert, als im Vorjahr sieben Zähler nicht reichten und das Finalspiel gegen Liverpool deutlich mit 0:2 verloren ging. Vor einem Jahr schien die furios gestartete Truppe um Erling Haaland und Co. schon zuvor das ganze Pulver verschossen zu haben - heuer könnte der Zenit erst am Schluss erreicht werden. Gelingt der Coup, könnte Jesse Marsch vielleicht mal länger mit seiner Elf zusammenarbeiten und ein erneuter Ausverkauf ausbleiben.

Erst recht, wenn Schwesternklub RB Leipzig die Gruppenphase nicht überstehen sollte. Dann wäre Salzburg international wieder die Nummer eins im Dosen-Konzern.