Drei Staffeln lang konnte die Serie "The Crown" machen, was sie wollte. Affären von Prinz Philip, eine aufbegehrende Prinzessin Margaret - es herrschte kreative Narrenfreiheit für die Vermischung von historischen Tatsachen und fiktiven Schnörkeln. Dem Publikum gefiel es, die Royal Family tolerierte es. Nun ist alles anders. Und schuld ist wieder einmal Prinzessin Diana.

In der vierten Staffel geht es um die von manchen kultisch verehrte Ex-Frau von Prinz Charles und ihren holprigen Einstand in der Königsfamilie. Dort sollte sie bekanntlich nie glücklich werden. Kritiker bemängeln, dass in "The Crown" diesmal die Fiktion die Überhand gewonnen hat. Der britische Kulturminister Oliver Dowden hat schon gefordert, dass Netflix seinen Sehern mitteilt, dass es sich um keine dokumentarische Erzählung handelt. Kürzlich hat sogar Helena Bonham Carter, die Margaret in der Serie spielt, gemeint: Es gebe eine "moralische Verantwortung", den Zuschauern klarzumachen, dass es sich um ein Drama und nicht um historische Fakten handelt.

Schade, dass es heute nicht mehr erwartbar ist, dass Kulturkonsumenten zwischen Dokumentation und Literatur unterscheiden können. Wahrscheinlicher ist aber, dass eigentlich die Royal Family geschützt werden soll: Die hat aber schon mehr ausgehalten als eine TV-Serie. Dass es diese Kritik gibt, ist allerdings ein Risiko, das Drehbuchautor Peter Morgan sehenden Auges eingegangen ist - mit einer biografischen Serie über noch lebende Personen.