Wer gedacht hat, das Verbot von Punschständen wäre der letzte Schlag von 2020, der hat sich fulminant getäuscht. Denn Ikea hat sich ausgerechnet heuer entschlossen, allen Billy-Liebhabern den legendären Ikea-Katalog endgültig zu entreißen. Bereits 2019 wartete man vergeblich darauf, dass die buchdicke Broschüre im Postkastl landete. Der Möbelkonzern wollte, so die Devise, Müll vermeiden. Man konnte den Katalog im Geschäft abholen oder online durchblättern. Nun hat Ikea bekanntgegeben, dass 2021 überhaupt der letzte gedruckte Ikea-Katalog erscheinen wird. Da wird einem melancholisch zumute: Nie mehr kreativ zusammengestellten WGs durchs Schlüsselloch in ihre Zimmer mit knuffigen Sofas oder in ihre perfekt aufgeräumten Küchen speanzeln. Nie mehr Ektorp und Klippan vergleichen, nie mehr haltlos über angeblich schwedische Namen kichern (Matratze Hammarvik).

Interior-Magazine boomen zwar, aber ausgerechnet das mit der höchsten Auflage - einst sogar geadelt durch eine Rezension von Literaturkritiker Hellmuth Karasek - gibt auf. Muss man nicht unbedingt verstehen. Zumal Ikea eine ganze Infrastruktur zur Produktion dieses Katalogs mit dem größten Fotostudio Europas besitzt und damit wohl auch eine Menge Jobs verbunden sind. Aber vielleicht produziert man ja doch einen - eben nur online. Das wäre wiederum ganz im Sinne des Regalschweden: der Ikea-Katalog zum Selberbauen. Aber wehe, es fehlen dann wieder drei Schrauben, ah Seiten!