"Tiefschnee ist eine nette Abwechslung. Aber für mich gibt es nichts Besseres, als auf einer rennfertigen Piste zu fahren." Also sprach Marcel Hirscher - nicht etwa nach seinem Spekulationen anheizenden ersten Stangentraining seit dem Rücktritt im September 2019, sondern bereits fünf Jahre davor im Interview mit der "Wiener Zeitung". Hirschers Credo muss man kennen, um sein rennmäßiges Skifahren auf der Reiteralm richtig einordnen zu können. Trotz seines neuen Faibles für Tourengehen gibt es für ihn offenbar weiterhin nichts Geileres, als im Rennschwung durch die Stangen zu carven. "Ich wollte einfach wieder diese Kräfte, diese Gefühle spüren", sagte er demzufolge auch der "Krone".

Keine Rede also von einem Comeback, das sich seine Fans wie auch der ÖSV so sehr wünschen würden. Daher sei an dieser Stelle eine Prognose gewagt, die freilich im neuen Jahr schon widerlegt sein könnte (aber was macht das schon in Zeiten ständig revidierter Voraussagen?): Hirscher wird nicht als Rennfahrer zurückkommen. Denn warum sollte er sich eine Corona-Saison ohne Fans, aber mit überbordenden Maßnahmen (wie Maskenpflicht bei Interviews im Freien) antun, in der zweiten Pandemie-Welle durch Europa jetten und so riskieren, daheim seine Jungfamilie anzustecken? Warum sollte dem Rekord-Weltmeister eine weitere Ski-WM (ab 8. Februar 2021) reizen und er dabei seinen Sieg-Nimbus gefährden? Um in Cortina antreten zu können, müsste er nämlich schon vorher die Jänner-Klassiker bestreiten und sich dort mit Startnummer 31 bewähren. Noch unrealistischer ist ein Comeback extra für Olympia 2022 in Peking: Nach den stimmungslosen Titeln in Korea wird der Annaberger sicher nicht wegen Spielen in einer Diktatur zurückkehren.

Vielleicht wollte Hirscher also einfach nur das tun, was er so liebt, aber derzeit nur für "Rennfahrer" möglich ist - Skifahren.