Vom neuen Jahr könnte man sich allerlei wünschen. Das Erlöschen der Corona-Pandemie etwa. Als Kulturjournalist ließe sich aber auch etwas anderes ersehnen. Nämlich ein Grundkurs für Entscheidungsträger mit dem Titel "Wie besetze ich Direktorenposten konstruktiv". Das täte not.

"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Christoph Irrgeher.
"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Christoph Irrgeher.

Nun wäre es unfair, jene Amtsanwärter zu tadeln, denen eine Bewährungsprobe bisher verwehrt blieb. Jeder verdient seine Chance, so "mutig" seine Kür auch war. Doch es nimmt wunder, wie seltsam in den Vorjahren oft besetzt wurde. Die Leitung der Salzburger Osterfestspiele etwa mit Christian Thielemann und Nikolaus Bachler - eine Mischung so explosiv wie Nitroglyzerin, was sich auch bald mit einem Krach herausstellte. Das Resultat: Ab 2023 leitet Bachler das Festival allein - mit einem Konzept, von dem bisher wenig mehr als Stichwörter überliefert sind. Wissen die Verantwortlichen mehr darüber? Das wäre wünschenwert, um sich eine Blamage in letzter Minute zu ersparen. Aber auch dergleichen hat man am Boden- und Neusiedler See ja schon erlebt. Apropos Mörbisch: Dort hat die Landesregierung dem amtierenden Leiter und Opernmenschen Peter Edelmann nun Alfons Haider, den Musical-Mann, als Generalintendanten, sagen wir, gegenübergestellt. Noch einmal: Nichts gegen neue Köpfe vor Dienstantritt. Doch die Frage, wie dieses Duo bis zum Ablauf von Edelmanns Vertrag 2022 koexistiert, verleiht Mörbisch schon einen Hauch von Osterfestspiel-Feeling. Freilich nicht im wünschenswerten Sinn.