Dass Menschen, die Unsinn verbreiten, auf RTL Sendezeit bekommen, ist man gewohnt. Gut, ist man geneigt zu sagen, muss ja keinem Bildungsauftrag nachkommen. Aber einem Unbildungsauftrag wollte RTL doch nicht nachkommen: Die unglückliche Personalwahl der Talentshow "Deutschland sucht den Superstar" mündete nun in einen Höhepunkt. Weil der Schlagersänger Michael Wendler, als Juror gebucht, unter die bizarren Corona-Verschwörungstheoretiker gegangen war und zuletzt auch vor KZ-Vergleichen nicht zurückgeschreckt war, entfernte RTL den Mann aus der bereits gedrehten Show. Oft wurde er einfach aus dem Bild gezoomt, mitunter sieht man einen geisterhaften Nebel am Tisch, das ist "der Juror", den RTL nicht einmal mehr beim Namen nennen will. Wenn sein Urteil wichtig ist, steht in einer Sprechblase "Ja" oder "Nein". Der Auftritt eines Kandidaten, der ein Lied "des Jurors" gesungen hat, wird mit der RTL-Warteschleifenmusik unterlegt - denn auch die Musik Wendlers ist unerwünscht.

Letztere Aktion war kindisch, sie sollte wohl verdeutlichen, dass die ganze Sendung jetzt ein Show-gewordener Mittelfinger an den Sänger ist. Das überspielt die schwierige Gratwanderung: Bestätigt man nicht die Verschwörer darin, dass sie "zum Schweigen gebracht" werden mit solchen Aktionen? Oder kann man das in Kauf nehmen, wenn man so verhindert, dass Wendler über den Umweg des reichweitenstarken Formats sehr viel mehr Anhänger des organisierten Unfugs erarbeitet? Eher Letzteres.