ÖSV-Boss Peter Schröcksnadel weiß, wie man Druck macht. Geht es um den Wintersport oder sein Seilbahngeschäft, dann ist er um Vorschläge nicht verlegen. Die Wiederholung seiner Forderung nach einer bevorzugten Impfung von Ski-Stars am Dienstag im ORF-Radio passt da ebenso ins Bild wie sein Eintreten für offene Pisten und Lifte. Argumentativ geht das aber schlecht zusammen: Einerseits will er die ohnehin in eigenen Blasen abgeschirmten Sportlerinnen und Sportler vor einer Corona-Infektion schützen, andererseits sieht er offenbar im nach wie vor viel kritisierten Betrieb von Gondelbahnen oder auch in Stauzonen vor Liften kein allzu großes Problem.

Ob die Ansichten des Präsidenten so mehrheitsfähig sind, muss allerdings bezweifelt werden. Da Katharina Liensberger, Marco Schwarz und Co. nicht zu den "vulnerablen Gruppen" zählen, ist nur schwer vermittelbar, warum man ausgerechnet den körperlich fitten Stars den Vorzug gegenüber anderen geben sollte. Ebenso ist nicht erwiesen, dass Skifahren mit Blick auf die Infektionszahlen so sicher ist, wie behauptet wird. Dass die jüngste britische Virus-Mutation durch Skilehrer auch nach Tirol importiert worden sein könnte, spricht nicht dafür.

Die politischen Verantwortlichen tun sich freilich mit der Materie nach wie vor schwer. Immerhin könnte man mit der Impfung von Ski-Stars erreichen, dass sich bis dato impfskeptische Menschen ebenfalls "stechen" lassen. Mit Blick auf allzu lasche Liftbetreiber hingegen ist Vorsicht geboten, will man sich nicht dem Vorwurf aussetzen, Schröcksnadel und der mächtigen Seilbahnlobby hörig zu sein. Dass den schwarzen Schafen zuletzt mit strengen Sanktionen gedroht wurde, ist gut. Gut wäre es aber auch, wenn es endlich für andere Bereiche - Schulen, Handel, Kultur - eine Perspektive geben würde. Skifahren ist nicht alles. Auch nicht in Österreich.