"Last Christmas" ist vorbei. Nicht, weil mittlerweile die Mitte des Jänners herbeieilt, sondern weil die Nummer mit ihren viereinhalb Minuten zu lang ist.

"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.
"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.

Der Elektronik-Gigant Samsung hat nämlich aufgrund einer Studie festgestellt, dass die Aufmerksamkeitsspanne von Musikfans seit dem Jahr 2000 von zwölf auf acht Sekunden gesunken ist. Diese acht Sekunden sind entscheidend: Entweder der Song haut auf den ersten Akkord hin, oder er wird weggeklickt. Bei längeren Nummern wartet keiner mehr das Fade-out ab. Deshalb prophezeit Samsung, dass die Hits des Jahres 2030 sehr kurz sein werden.

Wer solche Kurznummern erschreckend findet, möge den Umkehrwert bedenken: Statt in einer Stunde 15 Andreas-Gabalier-Lederhosenrockvierminüter hören zu können, schafft man glatt 60 seiner Einminüter. Und nichts geht dabei an Tiefsinn und musikalischer Raffinesse verloren.

Übel schaut’s nur aus, wenn sich die verengte Aufmerksamkeitsspanne auch auf die Klassische Musik ausdehnt. Richard Wagners "Ring" in 1 Minute statt in 15 Stunden wäre zwar reizvoll, könnte aber unter Umständen zu Substanzverlust führen. Auch Mahlers Symphonien und Schuberts Streichquartette könnten eventuell Schaden nehmen. Bloß mit Beethovens "Fünfter" funktioniert‘s tadellos: Ta-ta-ta-taaa. Daran kann sich der Gabalier ein Beispiel nehmen!

Und wie gesagt: Nie wieder "Last Christmas". Es ist Licht am Ende des Tunnels. Zwar erst 2030, aber immerhin.