Kein Mensch kann aktuell sagen, wie sich die pandemische Situation am 11. Juni in Europa darstellen wird. Auch die Uefa nicht, die an diesem Tag ihre um ein volles Jahr verschobene Fußball-EM anpfeifen will. Ob mit/ohne Zuschauer, ob wie geplant quer über den Kontinent in zwölf Städten oder nur in wenigen Ländern - oder gar nur einem einzigen; im schlimmsten Falle vielleicht auch gar nicht. Was weiß man schon in diesen Zeiten? Was man sicher weiß, ist, dass die Uefa nun allen Eventualitäten vorbaut und sich an den Fußballfans - angeblich ihr höchstes Gut - abputzt.

Wie die "Wiener Zeitung" aufdeckt, müssen sich hunderttausende Fans, die lange vor der Pandemie den Zuschlag für Tickets erhalten haben, bis 26. Jänner entscheiden, ob sie diese behalten wollen. Wenn ja, dann aber nur zu allen (neuen Corona-)Bedingungen der Uefa.Während man mit Stadien-Kontingentierungen, Geisterspielen oder Einlasstests klarerweise rechnen muss, sind Spielverlegungen, die keinen Ticket-Ersatz bedingen, hoch problematisch. Wenn etwa schottische Fans statt in den Hampden-Park zu gehen nach Russland fliegen müssten, dann ist das ein gravierender Unterschied; oder wenn österreichische Fans mangels Covid-Beschränkungen nicht nach Bukarest einreisen können und so um hunderte Euro für ihre nicht gerade billigen Karten umfielen.

Dass die Uefa das Ganze jetzt noch als "höhere Gewalt" ansieht, wiewohl die Pandemie seit einem Jahr wütet, mag juristisch stimmen - moralisch ist es wieder einmal ein Affront gegen die europäischen Fußballfans. Auch wenn diese das Uefa-Motto "Friss oder stirb" eh schon gewohnt sind.